ISENHAGENER LAND
Nördlicher Landkreis Gifhorn

SCHREIB FÜR FREIHEIT: DER AMNESTY-BRIEFMARATHON 2019

Hunderttausende Menschen machen jedes Jahr beim Amnesty-Briefmarathon mit: Sie schreiben Briefe für Menschen in Not und Gefahr. 2018 waren es weltweit 5,9 Millionen Briefe – adressiert an Regierungen, um Unrecht zu beenden, und an bedrohte Menschen, um ihnen Solidarität zu zeigen.

Zu unrecht inhaftierte Menschen werden freigelassen, diskriminierende Gesetzestexte geändert und politische Aktivist_innen in ihrer Arbeit unterstützt: Die jährliche Aktion anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember ist sehr erfolgreich.

Wir haben drei Fälle ausgewählt, drei Menschen, für die wir um Ihre Unterstützung bitten. Laden Sie sich einfach die Appellbriefe auf Ihren Computer, tragen Sie oben Ihre Absendeadresse ein, unterschreiben Sie und schicken Sie den Brief ab (Porto für Briefe ins Ausland: 1,10 EUR).

Ibrahim Ezz El-Din arbeitete für die Nichtregierungsorganisation „Ägyptische Kommission für Rechte und Freiheiten“ (ECRF).

Der 26-Jährige setzte sich für das Recht auf Wohnen ein – vor allem für den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum und gegen rechtswidrige Zwangsräumungen. Als er am 11. Juni 2019 abends auf dem Heimweg war, umstellten ihn vier Sicherheitskräfte in Zivil und nahmen ihn mit. Seine Mutter ging sofort zur lokalen Polizei- wache. Doch die Polizei bestritt die Festnahme und verweigerte jegliche Auskunft über Ibrahims Verbleib. Seitdem versucht seine Fa­milie,­un­ermüdlich­heraus­zufinden,­ wo ­er ­fest­gehalten­ wird.

Yasaman Aryani hat es gewagt, gegen den Kopftuchzwang im Iran zu protestieren. Doch der Staat duldet keinerlei Kritik an frauenfeindlichen Gesetzen. Die junge Frau wurde zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.

Am 8. März 2019, dem Internationalen Frauentag, protestierte Yasaman Aryani auf poetische Weise gegen den gesetzlichen Kopftuchzwang im Iran. Mit unbedeckten Haaren verteilte die 24-Jährige zusammen mit ihrer Mutter Monireh Arabshahi Blumen an die weiblichen Fahrgäste einer Teheraner U-Bahn. Ein Video der Aktion zeigt, wie sie einer Frau mit Kopftuch eine Blume gibt und sagt, sie hoffe, eines Tages mit ihr durch die Straßen gehen zu können, „ich ohne Kopftuch und du mit“. Das Video verbreitete sich schnell in den sozialen Medien.

Einen Monat später wurde Yasaman Aryani inhaftiert und intensiv verhört. Sie sollte gestehen, dass „ausländische Elemente“ sie angestiftet hätten, und ihr Verhalten „bereuen“. Andernfalls würden ihre Freund_innen und Familienmitglieder festgenommen. Keine leere Drohung: Auch ihre Mutter wurde inhaftiert. Am 31. Juli 2019 verurteilte ein Gericht Yasaman Aryani und ihre Mutter zu 16 Jahren Gefängnis – nur, weil sie dafür kämpfen, dass Frauen selbst entscheiden dürfen, wie sie sich kleiden.

Magai Matiop Ngong ist 17 Jahre alt und in Gefahr, hingerichtet zu werden. Ein Gericht im Südsudan hat ihn wegen eines tödlichen Unfalls im Jahr 2017 zum Tode verurteilt. Bei einer Auseinandersetzung unter Jugendlichen, löste sich ein Schuss aus Magais Gewehr und traf seinen Cousin tödlich. Vor Gericht hatte Magai keinen Rechtsbeistand. Er musste sich selbst verteidigen und beteuerte, er habe keinen Mord begangen, es habe sich vielmehr um einen Unfall gehandelt. Doch das Gericht befand ihn für schuldig und verhängte die Todesstrafe, obwohl er damals erst 15 Jahre alt war. Dabei verbieten sowohl das südsudanesische Recht als auch die UN-Kinderrechts- konvention Todesurteile gegen Minderjährige. Der Jugendliche hat inzwischen einen Rechtsbeistand, der Berufung gegen das Urteil eingelegt hat. Doch die Situation ist hart für Maghai: „Es ist nicht schön, wenn man erfährt, dass man sterben wird. Niemand möchte das. Ich hoffe, dass ich freikomme und wieder zur Schule gehen kann.“

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